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Interne Kommunikation

Eine wahre Goldgrube – Feedback durch die eigenen Mitarbeiter

7 wertvolle Tipps für Führungskräfte


Aktive Feedbackkultur ist eine Seltenheit – wobei Feedbackkultur für Top-Down und definitiv Bottom-Up steht. Nicht selten wird der Mitarbeiter um ein Feedback zum Vorgesetzten und zum Unternehmen gebeten, wenn dieser gekündigt hat und man seine Beweggründe verstehen will. Sicher kann auch dieses Feedback noch genutzt werden und doch ist es bedauerlich, dass erst jemand kündigen muss, bevor man sich für seine Sicht interessiert.

Wie Sie Ihre Mitarbeiter dazu bringen, Ihnen konstruktiveres Feedback zu geben?
Selbst wenn Sie jetzt motiviert sind, konstruktive Rückmeldungen von Ihren Mitarbeitern zu erhalten, stehen diese möglicherweise nicht für Sie bereit. Es funktioniert nicht, Ihre Mitarbeiter mal eben so zu ermutigen, Ihre Leistung objektiv zu bewerten. Es ist ja auch tatsächlich ein schwieriges Unterfangen, Sie als Chef zu bewerten und gleichzeitig auf Ihre Einschätzung angewiesen zu sein, um den eigenen Job zu sichern. Berücksichtigen Sie folgende Schritte, um dennoch diese wertvolle Rückmeldung von Ihren Mitarbeitern zu erhalten.

 

1. Interesse zeigen durch richtige Fragen

Offenes Feedback macht eine Kultur der offenen und ehrlichen Kommunikation unabdingbar. Dies wiederum startet damit, dass Sie echtes Interesse daran zeigen, wie es Ihren Mitarbeitern geht, was ihre Probleme verursacht und welche Unterstützung Sie benötigen.
Stellen Sie Fragen, die Ihnen einen Einblick verschaffen, wie Ihre Mitarbeiter ihre Arbeitsumgebung, Arbeitsbelastung und Produktivität einschätzen:

  • Wie läuft dein Projekt ab?
  • Was läuft gut?
  • Was hält Sie davon ab, dieses Ziel zu erreichen?
  • Was brauchen Sie, um Ihr Ziel zu erreichen?
  • Denken Sie an eine Zeit, in der Sie sehr produktiv waren: Welche Faktoren haben diese Produktivität beeinflusst?
  • Welche Faktoren stehen im Weg?
  • Was hören Sie von Kunden über unser Geschäft?
  • Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Job? Am wenigsten?
  • Wie kann ich Ihnen helfen, erfolgreicher zu sein?

Durch diese Art von ernst gemeinten Fragen können Sie herausfinden, wann und wo Sie zusätzliche Unterstützung anbieten sollten, aber auch wann Sie den Prozess möglicherweise einfach laufen lassen können.
Die meisten Mitarbeiter werden sich unwohl fühlen, wenn sie ihren Führungskräften konstruktives Feedback geben. Wenn Sie ihnen die richtigen Fragen stellen, werden Sie echte Antworten finden. Wenn Sie möchten, dass Ihr Mitarbeiter eine klare Meinung zu einem Problem hat, stellen Sie ihm eine Ja- oder Nein-Frage. Wenn Sie sie fragen: „Biete ich Ihnen genug Möglichkeiten, um Ihre beruflichen Fähigkeiten zu entwickeln?“, Haben sie nicht viel Raum, um vage zu sein. Wenn Sie detailliertere Informationen wünschen, stellen Sie offene Fragen. Zum Beispiel: „Wenn Sie ein Manager wären, wie würden Sie Ihren beruflichen Entwicklungsprozess unterstützen?“
Sie können auch Fragen speziell zu Ihrer Person und zu Ihrer Leistung einbringen. Stellen Sie die Fragen so, dass ein Dialog möglich ist:

  • Wie kann ich helfen?
  • Was hätte ich besser tun können, um Sie zu unterstützen?
  • Was brauchst du von mir?
  • Wie kann ich Sie bei diesem Projekt bestmöglich unterstützen?
  • Was kann ich beim nächsten Mal anders machen, was hilfreicher ist?
  • Wenn Sie in meinen Schuhen stecken würden, was würden Sie morgen ändern? Warum?

 

2. Achten Sie auf Non-Verbale Signale

Schauen Sie sich Ihr Team an: Natürlich ist es normal, dass Ihre Mitarbeiter auch mal niedergeschlagen wirken oder unmotivierte Gesichter machen, doch wenn Ihnen das regelmäßig begegnet, dann macht es Sinn, nachzufragen. Es gilt hier den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Eine Möglichkeit ist es, sich individuell an einzelne Teammitglieder zu wenden: „Ich habe im letzten Statustermin Spannungen festgestellt. Das hat mich überrascht, da wir mit unseren Aufgaben eigentlich gut in der Zeit liegen. Vielleicht habe ich ja auch wichtige Themen zu wenig beleuchtet. Kannst du mir vielleicht aus deiner Sicht schildern, was los ist?“
Auf diese Weise zeigen Sie Interesse, die Hintergründe für die wahrgenommene Spannung zu verstehen und darauf einzugehen. Hierbei geht es nicht darum, zu bewerten, ob die Spannung oder der Frust berechtigt sind, sondern vielmehr darum es besprechbar zu machen und wo notwendig zu unterstützen.

 

3. Gehen Sie nicht in die Verteidigungshaltung oder Rechtfertigung

Durch unüberlegte Antworten oder Reaktionen ersticken Sie die Belange der Mitarbeiter direkt im Keim und bringen Ihre Feedbackkultur zum Erliegen, bevor diese überhaupt gestartet ist. Angenommen ein Mitarbeiter zeigt offen seine Enttäuschung über Entscheidungen des Managements, die er für nicht nachvollziehbar hält, dann kann ein Satz wie „Das wurde oben entschieden. Da kannst du nichts dran machen.“ sehr entmutigend wirken.
Eine konstruktivere Antwort wäre: „Ich verstehe, was Sie sagen. Es gab kurzfristig noch Änderungen seitens unseres Vorstands. Mir war nicht klar, dass die Hintergründe hierzu für Sie bisher nicht ganz transparent sind. Lassen Sie uns das Thema im nächsten JF heute Nachmittag noch mal besprechen, damit ich Ihre offenen Fragen hierzu beantworten kann.“ Sehen Sie es als Wertschätzung, wenn sich Ihr Mitarbeiter Ihnen anvertraut und offen Bedenken äußert und schmettern Sie ihn nicht mit Chef-Floskeln ab.

 

4. Eigene Fehler eingestehen

Das Effektivste, was Sie tun können, um Ihre Mitarbeiter für sich zu gewinnen und ihr Vertrauen zu gewinnen, ist, mit ihnen aufrichtig umzugehen. Dazu gehört, dass Sie auch Ihre Mängel eingestehen und „Entschuldigung“ sagen, wenn eine Entschuldigung erforderlich ist. Der offene Umgang mit eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten führt meist dazu, dass Ihre Mitarbeiter Ihnen eher sagen, wann sie Ihre Unterstützung benötigen, anstatt sich zu ärgern. Sie werden häufiger mit einem Problem zu Ihnen kommen, bevor es zu einem großen Problem eskaliert und werden Ihnen wahrscheinlich eher sagen, wenn sie sich über etwas aufregen – bevor sich „Ärger“ zu „Wut“ entwickelt.

 

5. Planen Sie regelmäßige Feedbacksitzungen

Regelmäßige Einzelgespräche mit Ihren Mitarbeitern sind eine gute Möglichkeit, um Ihnen Feedback zu geben. Wenn sie sich daran gewöhnen, regelmäßig über Ihre Leistung mit Ihnen zu sprechen, fühlen sie sich eher wohl und geben Ihnen ehrliches konstruktives Feedback. Studien zeigen zudem (z.B. Gallup), dass regelmäßige Gespräche mit dem Vorgesetzten direkte Auswirkungen auf die Motivation und Verbundenheit der Mitarbeiter mit dem Unternehmen haben. Sollte Ihre Teamkultur ein offenes Feedback noch nicht hergeben, dann starten Sie mit anonymen Feedbackvarianten, wie z. B. Ideenbriefkasten oder Feedback-App. Dies sollte allerdings keine Dauerlösung sein und zeitnah um offene Runden ergänzt werden. Wichtig ist, dass Sie das Feedback aktiv nutzen und sichtbare Reaktionen bzw. Aktionen erfolgen. Ansonsten empfinden Ihre Mitarbeiter ihre Aktivitäten und Überlegungen als unnütz und werden schnell entmutigt.

 

6. Seien Sie nicht beleidigt oder zu emotional

Wenn Sie ehrliches Feedback fordern und dann auch erhalten, dann ist beleidigt oder gar verärgert zu sein sicherlich das falsche Signal. Feedback beinhaltet immer, dass Sie auch mal Dinge zu hören bekommen, die nicht positiv sind. Daran können Sie wachsen. Sollten Ihnen Ihre Mitarbeiter immer nur Honig ums Maul schmieren, sollten Sie skeptisch werden. Häufig steckt dahinter Angst oder Unsicherheit, wie ein konstruktives, ehrliches Feedback aufgenommen wird und ob es ggf. sogar Auswirkungen auf den eigenen Job hat. Niemand möchte den Vorgesetzten absichtlich verärgern oder sich durch offene Anmerkungen zum Führungsverhalten selbst schaden. Überlegen Sie, was sie Ihnen erzählen, stellen Sie Fragen und analysieren Sie, ob sich das Feedback in Meinungen oder Fakten begründet.

 

7. Nehmen Sie Ihr Feedback ernst

Reagieren Sie auf das erhaltene Feedback mit konkreten Handlungen. Wenn Mitarbeiter nicht glauben, dass ihr Feedback ernst genommen und entsprechend gehandhabt wird, geben sie es nicht mehr weiter. In einer Studie wurde sogar festgestellt, dass die Bereitschaft Feedback zu geben bei den Mitarbeitern viel stärker durch das Gefühl der Vergeblichkeit eingedämmt wird, als durch die Angst vor den Auswirkungen auf ihren Arbeitsplatz. Wenn das Feedback zu keiner Aktion führt, erklären Sie die Gründe hierfür. Was auch immer Sie tun, nehmen Sie das Feedback nicht und verschwinden Sie dann. Niemand möchte seine Zeit damit verschwenden, etwas zu tun, was letztlich keine Rolle spielt. Taten sagen mehr als Worte. Wenn Sie behaupten, Feedback ernst zu nehmen, müssen Ihre Handlungen es zeigen.

 

Fazit

Es ist nicht immer einfach, konstruktives Feedback zu erhalten, insbesondere wenn es von Ihren Mitarbeitern kommt. Sie können jedoch sehr nützliche Einblicke in die Erwartungen Ihrer Mitarbeiter und Verbesserungspotentiale erhalten. Wenn Sie diese Schritte befolgen, werden Sie Ihre Emotionen überwinden und die Mitarbeiter dazu ermutigen, sich wohler zu fühlen und Ihnen konstruktiveres Feedback zu geben.

  • Gewöhnen Sie sich an, regelmäßige Einzelgespräche mit Mitarbeitern zu führen
  • Holen Sie sich mehr Informationen durch gezielte Fragen
  • Halten Sie Ihre Emotionen kontrolliert
  • Sind Sie offen für die Mitarbeiterperspektive
  • Fragen Sie sich, wie Sie das Arbeitsleben Ihrer Mitarbeiter verbessern können

Genau wie die Angestellten müssen die Arbeitgeber das Gute, das Schlechte und das Hässliche hören. Während positives Feedback die Menschen dazu ermutigt, weiterhin das zu tun, was sie gut machen, ist es das konstruktive Feedback, das den Menschen – und den Unternehmen – beim Wachstum hilft.

 

 

Tags:Erfolg, Führung

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